Wenn (insbesondere grenznahe) Schweizer ins Nachbarland reisen um dort zu shoppen, dann ruft dies ganz besonders verärgerte Grossverteiler auf den Plan. Sie schreien zeter mordio und sind der Ansicht, dass sie nicht zuletzt aufgrund der günstigen Euro-Wechselkurse Millionen – um nicht zu sagen Milliarden – Umsatz einbüssen. Doch schliesslich kann bei einem Wocheneinkauf einiges mehr als die Fahrzeugkosten herausgeschlagen werden. Auch Migros-Oberster Herbert Bolliger kritisiert den Einkaufstourismus und betont, dass dieser Arbeitsplätze gefährde. Haben Sie aber gewusst, dass ein schlechtes Gewissen überflüssig ist, weil die Händler nicht davor zurück schrecken, es genau so zu machen? Viel Ware stammt aus dem Ausland, auch dann wenn es auch von Schweizer Herstellern zu haben wäre. (Schweizer Hersteller kaufen übrigens auch zu beträchtlichem Teil ihre Werkstoffe und Maschinen im Ausland, doch dies ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden).
Die Berner Zeitung hat aufgedeckt, dass die Migros beträchtliche Druckaufträge ins Ausland vergibt, während bei uns viele Maschinen leer stehen. Aus Preisgründen, wie es dort heisst. Die Migros! Die übrigen Grossverteiler werden es nicht anders handhaben. Bolliger findet dies völlig normal, weil doch ein Grossteil der Ausgaben im Inland aufgewendet werden. (Ist dies nicht bei jedem Scheizer so?) Und er betont offenbar gegenüber der Berner Zeitung, dass Migros Tochter Hotelplan unter grösstem wirtschaftlichem Druck stehe und seit Jahren aus Kostengründen im Ausland drucken lasse.
Bei Ihnen wird das spätestens nach der nächsten Steuerrechnung auch so sein. Und was schliessen wir folglich daraus? Sie brauchen wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie einen Teil Ihrer Einkäufe im Ausland tätigen. Haben nicht ‘die Grossen’ eine Vorbildfunktion?
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